König Andreas Böhm und Gefolge auf dem EUROPA-Schützenfest in Polen

Ein Reisebericht von Peter Philipps

Früh, kurz nach 4.00 Uhr am Donnerstag, dem 23.8.2012, wird es auf dem Dorfplatz in Wankum auffallend belebt. 19 Schützen und Schützenfrauen der Vereinigten Schützenbruderschaft Wankum haben sich getroffen um nach Tuchola in Polen aufzubrechen.


Andreas Böhm mit seinen Ministern Georg  Andratschke und Hans-Peter Spitz werden von  Ihren Frauen und einer Abordnung des Vorstandes und der Offiziere begleitet. . In Tuchola war zu diesem Zeitpunkt schon der 2. Brudermeister und Ortsvorsteher von Wankum Matthias Küppers mit seiner Frau Heidi. Sie nutzten den Termin, um mit Ihrem Wohnmobil einen Kurzurlaub in der Region zu machen.

Andreas will in Polen bei dem nur alle 3 Jahre stattfindenden europäischen Event den Vogel abschießen.


Die Stimmung ist gut und nach kurzer Verabschiedung startet der Bus in Richtung Osten. Insgesamt sind 39 Personen an Bord, denn der Bus wird sich mit einer Abordnung von Schützenbrüdern und Schützenfrauen aus dem Bezirksverband Nettetal geteilt. Geplant sind für die rund 1100 km weite Strecke ca. 14 Stunden Fahrzeit.  Tuchola, eine Kleinstadt am Rande der Kaschubei liegt in Pommern;  wir sind neugierig auf Land und Leute. Am frühen Mittag wird die Grenze bei Frankfurt /Oder überschritten und der Zeitplan scheint zu stimmen. Es geht weiter durch endlose Weiten, Felder, Wiesen. Einzelne Bauernschaften und gelegentlich kleiner und mittelgroße Ortschaften sehen wir aus dem Busfenster. Anfangs geht es über eine neue Autobahn recht flott vorwärts, doch dann müssen wir auf Landstraßen wechseln. Diese sind oftmals sehr schmal und von dem starken Verkehr mit tiefen Spurrillen „ausgestattet“. Schon bald ist erkennbar, dass wir es nicht schaffen werden, zum Abendessen im gebuchten Hotel zu sein und so teilt der Präsident Willi Strumpen der Hotelleitung über Handytelefon unsere Verspätung mit. Diese verspricht mit dem Abendessen auf uns zu warten.

Als wir dann endlich nach über 18 Std Fahrzeit gegen 23.00 Uhr im Hotel ankommen sind wir sehr überrascht und erfreut, dass uns unmittelbar ein leckeres 3 Gang-Menu serviert wird. Das Personal ist freundlich und man merkt Ihnen nicht an, dass unsere Verspätung ihnen den Arbeitstag verlängert hat.


Am nächsten Morgen steht eine  Besichtigung der näheren Umgebung an.

Katharina, die polnische Reiseleitung kommt zu uns an Bord. Sie ist Kaschubin,  ähnlich wie die in Deutschland lebenden Sorben, gehört sie zum Volksgruppe der slawisch sprechenden Menschen. Ein Volksstamm, die als  Minderheit schon seit Jahrhunderten in dieser Region lebt, erzählt sie uns. Katharina ist Deutschlehrerin und erzählt uns viel über die Geschichte Ihrer Heimat. Auch Ihre Familie hat Vertreibung und Flucht erlebt und der Großvater lebte bis zu seinem Tod in Westdeutschland, woher auch heute noch familiäre Verbindungen zwischen Polen und Deutschland bestehen. Wir besichtigten ein Freiluftmuseum und konnten von einem ca. 40 Meter hohen Aussichtsturm die schöne Seenlandschaft der Kaschubei bewundern.

Am Freitagnachmittag ging es dann erstmals zum Festplatz. Unsere Unterkunft war gute 60 km von Tuchola entfernt und so waren für An- und Abreise jeweils in etwa 1 ½ Std Fahrzeit einzuplanen.

In Tuchola angekommen war der Weg zum Festplatz schnell gefunden und da plötzlich Unmengen an Wasser vom Himmel fiel, waren wir sehr froh, dass es dem Bus gelang uns unmittelbar vor dem Festzelt austeigen zu lassen.


Boh, war das ein erster (guter) Eindruck!! Ein riesiges weißes Festzelt mit Bänken und Stühlen  für vermutlich bis zu 8000 Gäste ausgestattet.  Das Zelt war zu diesem Zeitpunkt in etwa zur Hälfte gefüllt und die Stimmung war schon sehr gut. Immer wieder zogen Bruderschaften begleitet durch zünftige Marschmusik in das Zelt ein.  Die vielen bunten und für uns deutschen oftmals orientalisch anmutenden Uniformen waren ein einziger Augenschmaus.

Trotz Regenschauer füllte sich der Platz vor dem Zelt. Und so waren am Abend nicht nur ca. 6000 Schützen im Zelt, sondern  sicherlich nochmals die gleiche Anzahl von Nicht-Schützen auf der Wiese (leider zu diesem Zeitpunkt sehr verschlammt). Ein super Cover-Band und anschließend eine polnische Rock-Gruppe sorgten für gute Stimmung und Spaß.


Am Samstag ging es nach dem Frühstück wieder auf die 1 ½ stündige Fahrt. Diesmal konnten wir nicht bis zum Zelt vorfahren, aber das Wetter war auch freundlicher gestimmt. Gemeinsam mit dem König gingen wir zum Schießplatz und zur Anmeldung. Über 250 Schützenkönige und Königinnen aus vielen Teilen Europas waren mit Ihrem Gefolge angereist.


In 8 Gruppen wurden die teilnehmenden Könige aufgeteilt. König Andreas hatte bereits 5-mal die Gelegenheit auf den Vogel zu schießen. Doch kurz bevor er wieder an der Reihe war, fiel der Vogel. Damit war er leider in der Vorrunde ausgeschieden, denn nur der Schütze, welcher den Vogel abschießt und die zwei davor und die zwei danach antretenden Schützen wurden für die Endrunde zugelassen. Nicht nur Schießkünste, sondern auch Glück ist beim Vogelschuss notwendig.

Das tat aber der guten Stimmung nichts ab. Auf Deutsch und englisch und oftmals mit Händen und Füssen wurden Gespräche mit den sicherlich mindesten 10 verschiedenen Nationen geführt.


Mit unseren  Federbüschen gehörten wir diesmal zu den EXOTEN auf dem Schützenfest und viele Teilnehmer baten um ein gemeinsames Foto mit uns.


Am Samstagabend im Hotel saßen und sprachen wir noch lange mit dem ebenfalls im selben Hotel wohnende Schützenbrüder aus den Niederlanden zusammen. Vielleicht ergibt sich hieraus ja eine freundschaftliche Verbindung zu gegenseitigen Besuchen in der nächsten Zukunft.

Am Sonntag war um 9 Uhr Abfahrt vom Hotel. Zuvor wurde noch ein Gruppenfoto gemacht, um das wir von der Hotelleitung gebeten wurden. Dem kamen wir gerne nach, denn es war ein sehr schönes Hotel und wie bereits zuvor erwähnt ein sehr freundliches Personal.

Endlich kam es zum großen Festumzug. Wir waren erst ziemlich spät mit dem Antreten vorgesehen, aber das Warten wurde uns nicht zu lang. Im Zelt wurde getanzt und gesungen. Zahlreiche Stände mit Essensangeboten aus der polnischen Küche und auch das leckere polnische Bier half uns die Wartezeit zu überbrücken.


Endlich, gegen 13 Uhr ging es bei strahlendem Sonnenschein für uns los. Mit flotter Marschmusik ging es vom Feld auf die Straße. Was für eine Überraschung, was für ein Bild !!!


Tausende von jubelnden Menschen am Straßenrand!! Auf Deutsch, englisch und polnisch wurden uns freundliche Worte zugerufen und oftmals kamen  Menschen mit prall gefüllten Tellern und boten uns leckere Köstlichkeiten zum Verspeisen an.


So etwas hatten wir noch nicht erlebt, einfach T O L L  !!


Nach dem Umzug trafen wir uns noch mit andern Schützen auf der Festwiese und verbrachten bis zur Abreise ein paar vergnügliche Stunden.


Die Rückfahrt verlief  etwas schneller und am Montagmorgen gegen 9 Uhr hatte diese überaus interessanten Reise ein Ende. Dass wir ohne Europaschützenkönig nach Hause kamen, störte niemanden. Übrigens, der neue Europaschützenkönig kommt aus den Niederlanden und das nächste  Europaschützenfest findet 2015 in Deutschland / Peine statt.  Die Überlegungen zur Teilnahme laufen schon.